Bezahlbarer Wohnraum! Vortrag von Stefan Schneider am 12.09.2019

Die Bezahlbarkeit von Wohnraum ist eine der größten Aufgaben unserer Zeit und somit ein Hauptthema der UGL. 

Bayerische Verfassung Art. 106

 

(1)  Jeder Bewohner Bayerns hat Anspruch auf eine angemessene Wohnung.

 

(2)  Die Förderung des Baues billiger Volkswohnungen ist Aufgabe des Staates und der      Gemeinden.

Am 12.09.2019 berichtete und informierte der Bürgermeister der Gemeinde Bergen, Stefan Schneider, über die Wohnbauförderung KommWFP von derzeit mehr als 40 Wohnungen über dem katholischen Kindergarten und im denkmalgeschützten Ensemble der Maxhütte.

 

Den äußerst informativen Abend startete Herr Schneider mit einer präzisen und fundierten Beschreibung der Ist-Situation. Er zeigte an demographischen Modellen, wie sich der Bedarf an Wohnungen, vor allem der Einzimmerappartements vergrößern werde. 2030 werde die Wohnungsnachfrage von Menschen über 65 Jahre um 40 Prozent zunehmen.

 

Schneider, ebenfalls Vorsitzender des Ökomodells Achental, informierte, dass diese Vereinigung von neun Gemeinden im Achental ein Innenentwicklungskonzept erarbeiten wolle. In diesem werden auch die Baulücken und Leerstände aufgenommen. Die Innenentwicklung wird von der Städtebauförderung mit 80 Prozent bezuschusst. 

 

Schneider stellte das Modell aus Hiddenhausen „Jung kauft alt“ vor, wobei junge Familien  beim Kauf alter Gebäude finanziell unterstützt werden. Er berichtete auch von dem Klostergarten in Weyarn, in dem ein Bauträger günstige Wohnungen gebaut habe. Vier Wochen lang durften sich hierfür nur Einheimische bewerben.

 

In Grassau, so rechnete Schneider, koste ein kleines Neubauhaus mit Grund rund 800.000 bis 900.000 Euro. Eine durchschnittliche Wohnung könnte für 10 bis 12 Euro pro Quadratmeter gemietet werden. Die Gemeinden können aber selbst aktiv werden. Hierfür gebe es die „Wohnraumförderung in Bayern“ und ein „kommunales Förderprogramm" für Gemeinden.

 

In Bergen, so informierte Schneider, werden derzeit Wohnungen in den gemeindeeigenen Häusern der Maxhütte realisiert. Hierfür erhalte Bergen einen 30prozentigen Zuschuss und einen 60prozentigen Baukostenzuschuss mit nur einem Prozent Verzinsung. „In 30 Jahren sind die Wohnungen bezahlt. Die Gemeinde muss lediglich 10 Prozent Eigenkapital einbringen“, erklärte der Bürgermeister. Zum anderen werde der Kindergarten aufgestockt und im Obergeschoss barrierefreie Wohnungen gebaut. 

 

Mehdi Akbari interessierte, ob die Gemeinde Bergen für den Bau dieser Wohnungen eine Wohnungsbaugesellschaft gegründet habe. Laut Schneider sei dies nicht der Fall. Die Bauprojekte werden von der Gemeinde verwaltet. Alle Einnahmen aus den Mietswohnungen werden wieder in Mietswohnungen gesteckt. Er bezeichnete das gemeindliche Bauen als wirtschaftliche Investition.

 

Auch Franz Speckbacher fragte nach, wie dies verwaltungstechnisch gelöst wurde und ob weiterer Personalbedarf bestehe. Laut Schneider laufe dies im normalen Verwaltungsgeschäft mit. Die gesamte Verwaltung sei integriert und habe zu tun, doch „wir machen es für´s Dorf“, betonte er. Nach der Aktion des Ökomodells erkundigte sich Erich Kamm. Schneider betonte, dass alle Ökomodellgemeinden vor dem selben oder ähnlichen Problemen stehen und Leerstand haben. In einigen Gemeinden gebe es bereits Analysen. Wichtig sei alle auf den gleichen Kenntnisstand zusammenzuführen. Man müsse über den Tellerrand hinauszublicken und herauszufinden, was für welche Gemeinde sinnvoll ist.

So brauche nicht jede Gemeinde Pflegebetten, erklärte er.

 

Auf die Frage nach Gewerbeausweisungen, erklärte Schneider, dass die Mischung aus Handwerk und Gewerbe gut sei und man sich vom Gewerbezuzug auch nicht zu große Gewerbesteuereinnahmen erhoffen dürfe.

 

Wie könne man dem Gemeinderat für solche Projekte Mut machen, erkundigte sich Mehdi Akbari. Die vier Fraktionen in Bergen seien gleich stark vertreten. Politik sei immer ein Kompromiss und die Kunst liege darin gemeinsam zu diskutieren und die richtigen Entscheidungen zu treffen, so Schneider. 

 

Seinen ca. zweistündigen Vortrag führte Schneider mit viel Sachverstand und Humor. Ein rundum gelungener Abend!

Wir möchten uns bei allen Teilnehmern bedanken und freuen uns über das rege Interesse an der Gemeindepolitik und der Arbeit der UGL.

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Bürgermeister Stefan Schneider (links) und UGL-Gemeinderat Mehdi Akbari

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UGL-Gemeinderat Winfried Drost

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